Der Sprungdienst beinhaltet fünf Automatik-Sprünge aus einer Transall C-160 oder aus dem MTH CH-53, mit mindestens einem "Gepäcksprung". Der Sprungdienst dauert minimal zwei Tage, da man maximal nur drei Sprünge an einem Tag absolvieren darf. In der Praxis allerdings dauert der Sprungdienst je nach Wetterlage sogar bis zu vier Wochen.
Ist der Sprungdienst angesetzt, geht es erst mal eine Stunde
lang im Bus zum Flugplatz Penzing in der Nähe von Landsberg am Lech. Die Fallschirme
werden zuvor mit dem "Schirmfahrzeug" von Altenstadt nach Penzing gefahren.
Der Flugplatz
Penzing in der Nähe von Landsberg am Lech. Von hier aus starten die C-160
"Transall" der Luftwaffe. Wo so viele "Trall´s" auf dem Flugfeld
stehen, ist bestimmt auch eine für den Sprungdienst der LL/LTS abgestellt.
Ein Springer nach dem
Anlegen des Haupt- und des Reserveschirms. Als Hauptschirm wird der seit Jahrzehnten fast
unveränderte Rundkappenfallschirm-T10 verwendet. Der Schirm wird über die gelbe
Aufziehleine mit dem Karabinerhaken, der im Luftfahrzeug an der sogenannten
"Ankerleine" eingeklinkt wird, automatisch nach dem Sprung aus dem
Verpackungsack herausgezogen. Er hat bei einem Gewicht von ca. 12 kg und einem Durchmesser
von über 10 m eine Fläche von 83 qm. Das reicht, um einen durchschnittlichen Springer
auf ca. 6 bis 9 m/s Fallgeschwingigkeit zu bremsen. Der Reserveschirm hat bei einem
Gewicht von ca. 7 kg nur noch eine Fläche von knapp über 40 qm, das rettet einem beim
Versagen des Hauptschirms gerade das Leben. Ausgelöst wird der Schirm, der mit den zwei
"Hakenverbindungsstücken" in zwei Ösen am Gurtzeug des Hauptschirms vor dem
Körper befestigt ist, durch das Ziehen an dem Metallbügel auf der Frontseite. An diesen
Ösen ist auch der vor den Beinen hängenden "Sprung-Gepäckbehälter"
eingehakt. In ihm wird der Rucksack und die Waffe des Springers mitgeführt. Kurz vor
Erreichen des Bodens wird er über einen Schnellverschluß (große Metallösen und roter
Griff) und eine 5 Meter lange "Ablassleine" "abgelassen", damit er
beim Landefall nicht stört. Die Packtasche für den Schirm ist bei den Springern hinter
den Brustgurt geklemmt.
Nachdem die Springer in dem
Hangar ihre Schirme angelegt haben und von den verantwortlichen "Absetzern"
überprüft worden sind, heißt es im Allgemeinen "Warten auf die Luftwaffe" mit
den Transportflugzeugen C-160. Wegen der hohen Kosten, der Einsatzbereitschaft der
Flugzeuge und der relativ geringen Priorität ist meist nur eine einzige
"Transall" für den Sprungdienst abgestellt.
Ist die
"Trall" dann da, geht es in Vierer-Sprungreihen über das Flugfeld um das
Luftfahrzeug zu "besetzen".
Nach dem Sprung aus einer der
Seitentüren (nicht der Laderampe) dauert es nur noch ca. 3 Sekunden, bis sich der Schirm
komplett geöffnet hat. Jeder Springer hofft auf diesen Anblick, wenn er zur Kontrolle
nach oben schaut.
Hier ein Foto
aus der Sicht eines der ersten Springer. Wer in der Sprungreihe ziemlich vorne steht, kann
nach dem Öffnen seines Schirms das Glück haben, den Öffnungsvorgang der Schirme seiner
Kameraden zu beobachten.
Auf jeden Fall
ein tolles Gefühl, so hier oben zu hängen, nur getragen von einem Stück Nylon. Noch
sieht es ziemlich hoch aus, was sich aber bald ändert. Mit abnehmender Höhe hat man das
Gefühl, schneller zu werden, das liegt aber nur an der sich verändernden Perspektive.
So sieht der
"Absetzplatz" und die Kaserne Altenstadt aus ca. 300 Metern Höhe aus. In der
Mitte eine CH-53 vom "Luftverlade-Lehrgang" und rechts die "Sammelbox"
mit dem Schirmfahrzeug und dem San-Fahrzeug.
Soweit verstreut sind
die Springer auf dem Absetzplatz ! Nach einem erfolgreichen "Landefall" packt
man seinen Schirm in die mitgeführte Packtasche, schultert sie mitsammt dem Reserveschirm
und macht sich auf den Weg zur sogenannten "Sammelbox". Die "Box" ist
der Sammelpunkt für alle Springer auf dem Absetzplatz. Hier wird mit Hilfe einer Liste
die Anwesenheit aller Springer überprüft.
Die folgenden Bilder
entstanden am letzten Tag des "Automatikspringer-Lehrgangs" am 26.02.99. Sie
wurden von der "Burg" aus aufgenommen, dem höchsten Punkt der Kaserne.
Hier sieht man, wieviele
Springer mit zwei Sprungreihen aus einer C-160 abgesetzt werden können. Hier sind es 36
Springer, das heißt 18 in den beiden äußeren Sprungreihen. Nach dem Absetzen der beiden
äußeren Sprungreihen dreht die "Trall" eine große Kurve und überfliegt den
Absetzplatz ein zweites Mal in gleicher Richtung, um auch die beiden inneren Sprungreihen
mit fast nochmal sovielen Springern abzusetzen.
Das heißt, daß innerhalb
von ein paar Minuten zwischen 60 und 70 Soldaten zusammen mit ihrer Ausrüstung auf einer
Fläche von maximal 2 Kilometern verteilt aus der Luft herantransportiert und abgesetzt
worden sind.
Die folgenden vier
Bilder zeigen einen "Lastenabwurf" durch eine C-160. Mit einem Lastenabwurf
werden Nachschubgüter auf Paletten oder sogar der Luftlandepanzer "Wiesel"
durch die Luft an einen bestimmten Ort transportiert.
Hierfür wird bei
geringer Geschwindigkeit und Höhe ein "Aufziehfallschirm" durch die offene
Laderampe geworfen.Der Aufziehfallschirm zieht die "Lastenfallschirme" aus der
Ladeluke der "Trall". Wenn sich diese Schirme öffnen, ziehen sie die Ladung aus
dem Bauch des Luftfahrzeugs.
Da die Ladung am
Schirm noch sehr stark pendeln würde, bremsen noch zwei kleinere Bremsfallschirme die
Pendelbewegung so stark ab, daß die Ladung ohne Seitwärtsbewegung auf dem Boden
aufschlägt.
Die
"Transall" kurvt ein überfliegt hier nochmal die Absetzstelle in sehr niedriger
Höhe, um den Landepunkt der Ladung zu überprüfen.
Hier nochmal ein
anderer Lastenabwurf von der Position der Sammelbox aus gesehen.